Gedanken zum Himmelfahrtstag und zum Sonntag Exaudi 21. /24. Mai 2020

Da wir den Himmel immer irgendwo oben empfinden, sind auf den Darstellungen zur Himmelfahrt Jesu oft nur die Füße Jesu zu sehen, die vor den Augen der Jünger entschwinden.

Aber warum denken wir eigentlich, dass der Himmel nur oben ist, unerreichbar?

Vielleicht ist der Himmel gar kein geographischer Ort, sondern eine Bezeichnung für den Herrschaftsbereich Gottes? Und der ist doch überall ...


Friede sei mit euch von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen

 


Wir beten mit Worten aus Psalm 47:


Schlagt froh in die Hände, alle Völker, 

begrüßt Gott mit fröhlichem Jubel!

Denn Gott ist der Allerhöchste, 

er bringt die Menschen zum Erschrecken, 

er ist ein großer König über die ganze Erde. 

Gott fährt auf unter Jauchzen,

Posaunen erschallen beim Einzug des Herrn. 

Lobsinget, lobsinget Gott, 

lobsinget, lobsinget unserm Könige! 

Denn Gott ist König über die ganze Erde; 

lobsinget ihm mit Psalmen! 

Gott ist König über die Völker, 

Gott hat Platz genommen auf seinem heiligen Thron. 

Die Fürsten der Völker sind versammelt 

als ein Volk unter dem Gott Abrahams; 

denn Gott unterstehen die Schilde auf Erden;

er steht hoch über der ganzen Welt. Amen

 

 


Für die Menschen zur Zeit Jesu war es wichtig zum Ausdruck zu bringen, dass Jesus wieder dahin zurück gegangen ist, von wo er gekommen war: zu Gott, zu seinem Vater. (So gesehen ist der Himmelfahrtstag  auch Vatertag.)


In der Vorstellung der damaligen Zeit konnte das nicht anders dargestellt werden, als wie es die Geschichten des Evangelisten Lukas erzählen. 

Himmelfahrt: erstaunte Jünger, Abschied vom leiblichen Jesus, der in einer Wolke vor ihnen verschwand, ein Versprechen und ein Auftrag.

Himmelfahrt erzählt davon, dass Jesus als Person Zeit und Raum enthoben ist. Der Auferstandene bleibt nicht begrenzt. Er kann überall sein. Indem er seinen Jüngern leiblich entzogen wird, kann er uns allen nahe sein.

Jesus öffnet den Himmel für uns, holt ihn auf unsere Erde.

Jesus und Gott sind nicht fassbar in unserer endlichen Welt, mit unseren endlichen Gedanken und Verstehensmöglichkeiten. So sehr das auch unseren Ansprüchen alles nachvollziehen und verstehen zu wollen widerspricht,  um so mehr öffnet es unserer Seele den Raum sich zu weiten und Atem zu holen.

Jesus geht, aber er geht nicht so wie er gekommen ist. Mit dem Kommen des Jesus von Nazareth hat sich diese Welt grundlegend verändert. Er haucht ihr einen neuen Geist ein. Er gibt ihr eine neue Hoffnung, eine Perspektive mit der man anders auf die Dinge und auf die Menschen schauen kann.

Himmelfahrt steht für das Geheimnis des geöffneten Himmels, dafür, dass die Geschichte Gottes mit uns Menschen nicht abgeschlossen ist und wir mit ihr zu tun bekommen.

Und damit wir uns gestärkt auf den Weg machen können, verspricht er uns einen Begleiter, einen Tröster und Ermutiger, damit wir den Auftrag Jesu erfüllen können, seine Boten in dieser Welt zu sein.


Der Sonntag Exaudi, der Sonntag nach Himmelfahrt und vor Pfingsten ist voller Erwartung  und Vorbereitung auf dieses Ereignis.

Trost, Zuversicht Neuanfang, das setzt der geöffnete Himmel in uns und für die ganze Welt frei.


Sind wir bereit für diese Gedanken und machen wir uns wie die Jünger auf den Weg als Boten der guten Nachricht oder wollen wir uns lieber damit aufhalten, dass wir damit nichts anfangen können, weil es nicht in unseren Verständnishorizont passt?

Amen

 


Beten wir

  • Beten wir für die Menschen, die nur nach oben in den Himmelstarren und dabei vergessen ihre eigenen Hände, Füße und Gedanken für die Sache Jesu zu nutzen.

  • Beten wir für die Menschen, die sich nach Jesu Nähe sehnen, dass sie zur Ruhe kommen und seine Gegenwart in sich spüren können.

  • Beten wir für die Menschen, die sich den Wundern dieser Welt nicht mehr öffnen können und nur an dem bleiben, was sie verstehen und begreifen können. Amen

 

Und nun segne euch Gott

Er segne euch mit dem Himmel auf der Erde,

dass Freude und Zuversicht bei euch zu Hause sind

und es leichter werden kann um euer Herz. Amen


Gedanken zum Sonntag Rogate, 17. Mai 2020

Rogate, das heißt: betet.  

Beten – wie geht das ? Was bringt das überhaupt?

Ist Beten nicht oft ein Vorwand sich vor etwas zu drücken, die Verantwortung abzugeben?

Beten – kann man da was falsch machen?

Ist Beten nicht etwas sehr Privates?


Der Beter im Psalm 66 lässt sich ganz auf Gott ein und sagt:

„Gelobt sei Gott, der mein Gebet nicht verwirft noch seine Güte von mir wendet.“

 


Friede sei mit euch von Gott dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen

 


Wir beten mit Worten aus Psalm 66:


Jubelt Gott zu, Menschen aller Länder!

Singt von der Herrlichkeit seines Namens!

Sagt zu Gott: „Wie gewaltig sind deine Taten!

Wie groß und mächtig bist du doch!“

Kommt und schaut die Taten Gottes!

Gewaltige Werke tut er für die Menschenkinder:

Er ist es, der uns am Leben erhält!

Er lässt unseren Fuß nicht straucheln.

Kommt und hört, was ich euch erzählen will!

Alle, die ihr Gott mit Ehrfurcht begegnet:

Hört zu, was er für mein Leben getan hat!

Während mein Mund noch um Hilfe rief,

lag schon der Lobgesang auf meiner Zunge.

Mein lautes Flehen hat er beachtet.

Gepriesen sei Gott!

Mein Gebet hat er nicht abgewiesen

und seine Güte nicht von mir genommen. Amen

 

 


Früher war es noch viel selbstverständlicher zu beten; morgens beim Aufstehen, vor den Mahlzeiten, am Abend vor dem Einschlafen, wenn es irgendwie ernst wurde oder  wenn es Grund zur Freude gab.

Die ganze Bandbreite des Lebens kann im Gebet zum Ausdruck kommen: Dankbarkeit und Klage, die Bitte um Vergebung und Jubel, das stellvertretende Einstehen für andere...


Heute kommen wir uns oft komisch vor, wenn wir beten. Als wenn wir es verlernt hätten. 

Schon die Jünger damals haben Jesus gefragt: wie geht das denn, beten.

Jesus erzählt : 

„Wenn ihr betet, sollt ihr nicht sein wie die Heuchler, die gern in den Synagogen und an den Straßenecken stehen und beten, um sich vor den Leuten zu zeigen. Wahrlich, ich sage euch: Sie haben ihren Lohn schon gehabt. Wenn du aber betest, so geh in dein Kämmerlein und schließ die Tür zu und bete zu deinem Vater, der im Verborgenen ist; und dein Vater, der in das Verborgene sieht, wird dir's vergelten. Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“ 

 

Matthäusevangelium, Kap. 6


Vielleicht haben wir deshalb verlernt zu beten, weil wir zu oft enttäuscht wurden und es anders kam als wir es wollten?

Vielleicht geht es beim Beten gar nicht zuerst darum, dass unsere Bitten und Wünsche in Erfüllung gehen, dass wir bekommen, was wir wollen. 

Vielleicht begegnet mir Gottes Hilfe im Gebet ganz anders -  durch die Haltung die ich einnehme, gegenüber Gott, seiner Welt und den Menschen.

Ich meine jetzt nicht, dass es wichtig ist, ob ich sitze oder stehe oder knie, ob ich die Hände gefaltet habe  oder nicht.

Mit Haltung meine ich: meine Haltung dem Leben gegenüber, Gott gegenüber.

Wenn ich bete, erkenne ich an, dass ich nicht alles selber regeln kann und muss, dann weiß ich, dass das Leben Wege geht, die ich nicht beeinflussen kann, denen ich ausgeliefert bin, dann kann ich spüren, dass ich Gottes Kind bin, ein Mensch, dem nicht alles möglich ist und der darum Zuwendung, Hilfe und Erbarmen braucht.

Es ändert viel in meinem Leben, wenn ich diesen Gedanken zulasse.

So gesehen, kann das ganze Leben ein Gebet sein, ohne viele Worte. 

Ein Leben, in dem ich mir meiner Verantwortung bewusst bleibe, die ich für mich habe und für  andere Menschen auch, weil auch sie Gottes Menschen.


„Gebet ist das Atemholen der Seele.“

So hat es John Henry Newman formuliert.


Beten, das ist das Atemholen der Seele und das Bewusstwerden meiner selbst in Gottes Welt.  Dazu möchte ich Sie ermutigen. Amen

 


Beten wir 

für Menschen, die nach Halt suchen, in dieser uneindeutigen und unübersichtlichen Welt;

für Menschen, die Verantwortung tragen und von deren Einfluss und Entscheidungen

und Umsicht so viel abhängt;

für uns alle, damit wir unserer Seele Raum geben zum Atemholen. Amen

 


Nun  segne euch Gott,

damit ihr wisst, 

wo ihr zur Ruhe kommen könnt,

bei wem ihr Orientierung findet

und was euer Herz erfreut. Amen

 

Gedanken zum Sonntag Kantate, 10. Mai 2020 (Muttertag)

zum Zuhören

Kantate heißt singen.

Singen - dazu  braucht man den ganzen Körper, die Stimmbänder, den Mund, den Atem, alle unsere Gefühle...

Singen ist Energie, die uns und anderen gut tut, alleine und gemeinsam.


Friede sei mit euch, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen


„Singt dem Herrn ein neues Lied, denn er tut Wunder.“

So heißt es im Spruch der Woche aus Psalm 98, den wir nun zusammen beten:


Psalm 98


Singet dem HERRN ein neues Lied, denn er tut Wunder. 

Er schafft Heil mit seiner Rechten und mit seinem heiligen Arm.

Der HERR lässt sein Heil verkündigen; 

vor den Völkern macht er seine Gerechtigkeit offenbar. 

Er gedenkt an seine Gnade und Treue für das Haus Israel, 

aller Welt Enden sehen das Heil unsres Gottes. 

Jauchzet dem HERRN, alle Welt, singet, rühmet und lobet! 

Lobet den HERRN mit Harfen, mit Harfen und mit Saitenspiel! 

Mit Trompeten und Posaunen jauchzet vor dem HERRN, dem König! 

Das Meer brause und was darinnen ist, 

der Erdkreis und die darauf wohnen. 

Die Ströme sollen in die Hände klatschen, 

und alle Berge seien fröhlich 

vor dem HERRN; denn er kommt, das Erdreich zu richten.

Er wird den Erdkreis richten mit Gerechtigkeit und die Völker, wie es recht ist. Amen

 


Gibt es Gelegenheiten bei denen Sie singen -  alleine oder vielleicht mit anderen zusammen?

Oder gehören Sie zu denen, die behaupten, dass sie nicht singen können?

Wie fühlt sich das an, wenn man summend durch die Straßen geht, beim Abwaschen ein Lied vor sich hin pfeift, einen Ohrwurm im Kopf hat?

Was passiert mit den Menschen im Fußballstadion, in der Fasnacht, beim Kirchentag, bei großen Konzerten, wenn sie gemeinsam singen?

Das Singen bewegt uns mehr, als wenn wir sprechen.

Sprechen scheint konzentriert und auch kontrolliert, singen wirkt frei und leicht und spielerisch (außer für Profis, für die Singen richtig Arbeit ist).


Davon, dass Musik, dass das Singen in uns Menschen „etwas anrichtet“, uns bewegt, erzählt schon die Bibel an vielen Stellen.

Von König Saul wird berichtet, dass er oft von einem bösen Geist, heute würden wir sagen von Schwermut/Depression, geplagt war. 

Man ließ für ihn nach einem Mann suchen, der etwas von Musik verstand und David wurde zu ihm gebracht, der jüngste Sohn des Isai. David konnte Harfe spielen, singen und Texte schreiben. 

Im 1. Buch Samuel, Kap. 16 heißt es dann: „Wenn nun der böse Geist über Saul kam, nahm David die Harfe und spielte darauf mit seiner Hand. So erquickte sich Saul und es ward besser mit ihm.“


Die Musik verändert Menschen, die, die sie machen und die, die sie hören.

Musik erreicht unsere Seele, unser Innerstes. 

Musik lässt uns intensiver spüren -  unsere Freude, unsere Trauer, unsere Sehnsucht, unsere Hoffnung. Sie öffnet das Herz und manchmal weinen wir, ohne es zu merken.


Auch unsere Freude über Gott oder unsere Zweifel oder Klage lässt sich in einem Lied leichter ausdrücken als nur in der Sprache. Die Psalmen sind voll davon, von Gefühl und Hingabe, von Zorn und Verzweiflung, von Trost und Schutzbedürfigkeit und großer Begeisterung über Gott.

Und wenn ich mich in der Musik mit anderen verbinden kann, dann geben wir und nehmen wir und berühren einander in einem unbeschreiblichen Ausmaß.


Wer möchte das an sich vorbei gehen lassen?

Singen ist Hingabe ohne Anspruch auf Korrektheit.

Singen ist Emotion, egal wo, im Stadion und in der Kirche.


Das Singen ist zuerst der innere Tanz des Atems, der Seele,

aber es kann auch unsere Körper
aus jeglicher Erstarrung ins Tanzen befreien
und uns den Rhythmus des Lebens lehren.“
So formuliert es der Yehudi Menuhin, ein begnadeter Violinist.


Wir wollen  uns nicht abhalten lassen von dem zu singen, zu summen, zu brummen was in uns ist - vom Leben, von der Liebe, von Verlust und  Verzweiflung und von Gott, der die Fülle des Lebens bereit hält. Amen

 


Wir beten für Menschen,

denen ihr Leben die Luft zum Atmen nimmt, die das Singen verlernt haben, die verstummt sind.

Wir beten für Menschen, die die Lebendigkeit der Musik in sich wirken lassen und ihren Rhythmus weitergeben an die, denen sie begegnen.

Wir beten für alle Mütter, die in ihrem Leben Raum lassen für Schutz und Pflege, für Trost und Hilfe, wo nötig...

 


Gott segne euch,

er erfülle eure Füße mit Tanz,

eure Ohren mit Musik.

Er fülle euren Mund mit Jubel

und euer Herz mit Freude.

So segne euch Gott. Amen

 

Gedanken zum Sonntag Jubilate, 3. Mai 2020

zum Zuhören

Friede sei mit euch von Gott unserem Vater und unserem Herrn Jesus Christus. Amen


Jubilate, freut euch! 

Freut euch über das Wunder der Schöpfung, darüber, dass wir als Menschen daran Teilhaben können, spüren, sehen, fühlen können...

Freut euch, dass Gott uns eine Perspektive aufzeigt, die über den Tod hinaus geht

und die Hoffnung auf einen neuen Himmel und eine neue Erde lebendig bleibt.


Wir beten mit Worten aus Psalm 104


1 Lobe den HERRN, meine Seele! Mein Gott, du bist sehr groß; 

in Hoheit und Pracht bist du gekleidet. 

2 Licht ist dein Kleid, das du anhast. 

Du breitest den Himmel aus wie ein Zelt; 

3 du baust deine Gemächer über den Wassern. 

Du fährst auf den Wolken wie auf einem Wagen 

und kommst daher auf den Fittichen des Windes, 

5 der du das Erdreich gegründet hast auf festen Boden, 

dass es nicht wankt immer und ewiglich. 

13 Du tränkst die Berge von oben her, 

du machst das Land voll Früchte, die du schaffest. 

14 Du lässest Gras wachsen für das Vieh 

und Saat zu Nutz den Menschen, dass du Brot aus der Erde hervorbringst, 

15 dass der Wein erfreue des Menschen Herz 

und sein Antlitz glänze vom Öl und das Brot des Menschen Herz stärke. 

24 Gott, wie sind deine Werke so groß und viel! 

Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. 

27 Es wartet alles auf dich, dass du ihnen Speise gebest zu seiner Zeit.

28 Wenn du ihnen gibst, so sammeln sie; wenn du deine Hand auftust, so werden sie mit Gutem gesättigt. 

29 Verbirgst du dein Angesicht, so erschrecken sie; 

nimmst du weg ihren Odem, so vergehen sie und werden wieder Staub. 

30 Du sendest aus deinen Odem, so werden sie geschaffen, 

und du machst neu das Antlitz der Erde. 

Lobe den HERRN, meine Seele! Halleluja!

 


Wenn wir an diesem Sonntag Gott als den Schöpfer dieser Welt loben, dann steht das nicht im Gegensatz zu den Erkenntnissen der Naturwissenschaftler, die die Entstehung der Welt erforscht haben. Die biblischen Geschichten von der Entstehung der Welt im 1. Buch Mose Kap. 1 und 2 erheben nicht den Anspruch auf Wissenschaftlichkeit. Sie wollen uns aber sagen, wie wir Menschen uns verstehen können: 

hineingesetzt in eine durchdachte Ordnung der Welt und beauftragt dazu, diese Welt zu hegen und zu pflegen,

ein Teil dieser grandiosen Schöpfung und wie alles Geschaffene der Endlichkeit unterworfen,  dem Anfang und dem Ende, dem Wachsen und Vergehen, dem Leben und dem Tod.

Wir gefährdet unser Leben ist und wie wenig wir dem entgegen zusetzten haben, erfahren wir gerade in dieser besonderen Zeit.

Die Erkenntnis, dass zu unserem Leben auch unsere Vergänglichkeit gehört, ist ja nicht neu und sie quält uns of genug. Aber wir können entdecken, wie kostbar und unglaublich unser Leben ist, wenn wir diese Grenze des Lebens nicht aus unserem Denken ausschließen.


Die Gedanken an diesem Sonntag gehen noch einen Schritt weiter. Sie sprechen davon, dass es weitergeht mit dem Leben, auch wenn es nicht immer danach aussieht.

Der Apostel Paulus sagt das mit seinen Worten so: „Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, Neues ist geworden.“  2. Korinther 5,17


Äußerlich sind wir Menschen den Gesetzten der Natur, des Werdens und Vergehens, des Scheiterns und Fallens  weiterhin unterworfen, aber innerlich (Paulus formuliert: in Christus) haben wir die Möglichkeit uns  frei zu machen und unser Leben neu  auszurichten. 

Anstatt, dass wir dem Schweren und Ermüdenden in uns die Chance geben sich in uns auszubreiten und von uns Besitz zu ergreifen, können wir uns anschließen an und mit hinein nehmen lassen in das Wissen um das Leben, das stärker sein wird als der Tod, dass es sich immer wieder lohnt weiter zu machen, aufzustehen, es noch einmal zu versuchen.


Das ist das PLUS an dem Schöpfungslob dieses Tages. Zur Freude an der Natur und zum Staunen über diese wunderbar ausgeklügelten Sensationen im Kosmos und im Mikrokosmos, kommt die Einladung, dieses Äußere auch nach innen zu nehmen und sich im eigenen Leben aufzurichten, aufzustehen, weiterzugehen, neu zu werden zur Ehre Gottes und zur Freude an uns selbst. Amen

 


Wir beten 

und denken an Menschen, 

... die sich in ihren Dunkelheiten verloren haben und keinen Weg herausfinden zum Licht,

... die keine Freude mehr empfinden können, weil ihr Leben sie niedergedrückt hat und sie niemandem mehr trauen.

Wir denken an Menschen, 

die unermüdlich einstehen für diese Welt, die keine Anstrengung scheuen aufzurütteln und weiterzugehen in dieser (auch) wunderschönen Schöpfung Gottes...


Gott segne euch,

dass ihr Wasser zum Trinken habt,

Erde zum Wohnen,

Feuer, das euch wärmt.

Gott segne euch mir einem fröhlichen Herzen und einem langen Atem. Amen

 

Gedanken zum 2. Sonntag nach Ostern Miserikordias Domini, 26. April 2020

Friede sei mit euch, im Namen Gottes des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes Amen.


Um Hirten und Schafe geht es an diesem Sonntag.

Um Vertrauen schaffen, verantwortungsbewusstes Leiten und um Vertrauen fassen, sich gesehen fühlen. 

Welche dieser beiden „Rollen“ sagt Ihnen im Moment mehr zu?

 


Der Bibelvers für die neuer Woche heißt:

„Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben.“ 

Johannes-Evangelium, 10

 


Wir beten mit Worten des Psalms 23

der uns durch so viele unterschiedliche Lebenssituationen begleiten kann:


Der HERR ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln. 

2 Er weidet mich auf einer grünen Aue 

und führet mich zum frischen Wasser. 

3 Er erquicket meine Seele. 

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, 

fürchte ich kein Unglück; 

denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich. 

5 Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde. 

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. 

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, 

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

Amen


Welcher dieser Verse spricht Sie heute wohl besonders an?

Die Freude über all das Gute, was Ihnen widerfahren ist, die Sorge darum, welcher Weg der Richtige ist, der Trost, wissen zu dürfen, dass man nicht alleine gehen muss, die Zuversicht, bei Gott gut aufgehoben zu sein?

 


Das Bild eines Hirten ist für mich kein idyllisches.

Es erfordert viel Bereitschaft sich den Anvertrauten zu widmen, zu erkennen, was sie brauchen. Ein Hirte braucht nach meinem Verständnis viel Fingerspitzengefühl, eine gute Wahrnehmungsgabe und die Gabe sich selbst nicht so wichtig zu nehmen.

Wer Hirte sein will, trägt Verantwortung, für die, die ihm anvertraut sind, er hat keine Machtposition inne. Es ist seine Aufgabe Vertrauen wachsen zu lassen, Freiräume zu schaffen, Bedürfnisse zu erkennen.

Hirte sein ist zu allererst ein Dienst an anderen.

Ich habe oft den Eindruck, das Viele, die heute Hirte sein wollen, das vergessen haben.

Wollen Sie sich von jemandem leiten lassen, der Ihnen das Gefühl vermittelt, dass es ihm nur um sich selber und gar nicht um Sie geht?

Ich bin doch kein dummes Schaf!

An diesem Sonntag wird uns Jesus als der gute Hirte vorgestellt. 

Er meint wirklich mich, er lässt mich nicht im Stich, auf ihn kann ich mich verlasen, ihm kann ich mich anvertrauen.

Das Bild vom guten Hirten rührt an tiefe Sehnsüchte. Darum muss ich gut auf mich achten um nicht auf „böse“ Hirten hereinzufallen. Schafe spüren sehr genau, wer es gut mit ihnen meint. Und sie brechen aus der Herde aus, wenn sie sich nicht mehr sicher fühlen.


Wem würden Sie sich anvertrauen mit Ihrem Leben, Ihren Fragen und Zweifeln, mit Ihrem Glück?

Was würden Sie tun, um anderen ein guter Hirte zu sein?

 


Lasst uns beten für Menschen,

die sich nicht gesehen und wahrgenommen fühlen, so wie sie sind,

die nach Orientierung suchen auf den Durststrecken ihres Lebens.

Lasst uns beten für Menschen, 

die Vertrauen missbrauchen und Seelen quälen und sagen, dass sie es nur gut meinen...

 


Gott segne euch,

er segne euch mit der Frische des Wassers,

mit der Leichtigkeit eines Frühlingswinds,

mit der Kraft, die in der Wurzel des Löwenzahns ist.

Gott segne euch.

Amen


Gedanken zum ersten Sonntag nach dem Osterfest Quasimodogeniti

An diesem Sonntag werben die Bibeltexte darum, der unglaublichen Botschaft der Auferstehung Glauben zu schenken.

Wir sind nicht die Ersten, die fragen und zweifeln ...

Der Spruch über dieser Woche:

Gelobt sei Gott, der Vater unseres Herrn Jesus Christus,

der uns nach seiner großen Barmherzigkeit wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten

1. Petrus-Brief 1,3

Wir beten mit Worten aus Psalm 116

Das ist mir lieb, dass der HERR meine Stimme und mein Flehen hört. 

2 Denn er neigte sein Ohr zu mir; darum will ich mein Leben lang ihn anrufen. 3 Stricke des Todes hatten mich umfangen, 

des Totenreichs Schrecken hatten mich getroffen; 

ich kam in Jammer und Not. 

4 Aber ich rief an den Namen des HERRN: 

Ach, HERR, errette mich! 

5 Der HERR ist gnädig und gerecht, 

und unser Gott ist barmherzig.

 6 Der HERR behütet die Unmündigen; 

wenn ich schwach bin, so hilft er mir. 

7 Sei nun wieder zufrieden, meine Seele; 

denn der HERR tut dir Gutes. 

8 Denn du hast meine Seele vom Tode errettet,

 mein Auge von den Tränen, meinen Fuß vom Gleiten. 

9 Ich werde wandeln vor dem HERRN im Lande der Lebendigen. 

17 Dir will ich Danken und des HERRN Namen anrufen. 

„Ich glaube nur, was ich sehe“, sagen viele.

Unser Leben ist so ausgerichtet, dass wir verstehen wollen und begreifen.  

Nur, was wir beweisen können, hat in unserer Welt Bestand.

Schon der Prophet Jesaja hat im Volk Israel darum geworben, auch andere Erkenntniswege, die uns als Menschen zur Verfügung stehen, zu nutzen: Fühlen, spüren, wahrnehmen, ahnen...

Von ihm stammen die wunderbaren Worte: (Jesaja 40, 28 – 31)

28 Weißt du nicht? Hast du nicht gehört? 

Der HERR, der ewige Gott, der die Enden der Erde geschaffen hat, wird nicht müde noch matt, sein Verstand ist unausforschlich.

 29 Er gibt dem Müden Kraft und Stärke genug dem Unvermögenden.

 31 Die auf den HERRN harren, kriegen neue Kraft, dass sie auffahren mit Flügeln wie Adler, dass sie laufen und nicht matt werden, dass sie wandeln und nicht müde werden.

Auch Jesus wirbt unter seinen Jüngern um Vertrauen. Er kommt den Skeptikern und Zweiflern unter ihnen entgegen, läßt sich von ihnen anfassen und isst mit ihnen.

So erzählt es das Evangelium für diesen Sonntag bei Johannes 20, 19 – 29:

So konnten sie lernen zu glauben, zu vertrauen, auch ohne zu sehen.

Nur Thomas war nicht da, als Jesus sich den Jüngern zeigte und Thomas, wir nennen ihn auch den Zweifler, bleibt stur und sagt:

„Wenn ich nicht in seinen Händen die Nägelmahle sehe und lege meinen Finger in die Nägelmahle und lege meine Hand in seine Seite, kann ich´s nicht glauben.“

Erst als Jesus ihm selbst begegnet, erst als er ihn sehen und anfassen darf, kann Thomas glauben und sagen: „Mein Herr und mein Gott“.

Mir tut es gut zu lesen, dass Jesus Verständnis hat für die, die ihre Schwierigkeiten mit diesem unglaublichen Geschehen der Auferstehung haben. 

Mir tut es gut zu lesen, dass Thomas trotzdem weiter zu ihm gehört und nicht weggeschickt wird.

Vielleicht sind wir mit unseren Fragen und Zweifeln dichter bei Gott als all diejenigen, die ganz genau wissen, wie man das glauben kann.

Lasst uns auf dem Weg bleiben, damit wir uns immer wieder herausfordern lassen von unseren Fragen und Zweifeln und bei all dem trotzdem Gottes Nähe suchen – und finden.

Lasst uns beten für die Menschen, die sich ihrer Zweifel und Fragen nicht schämen, die auf der Suche sind,

auf der Suche nach Glück, nach Vertrauen, nach Glauben können, nach Gemeinschaft, nach Frieden ...

Gott segne euch,

er segnete euch mit allem, was zu euch gehört.

Amen


Ostersonntag

Gruß aus den 4 evangelischen Gemeinden deutscher Sprache in Griechenland