Gedanken zum Sonntag Palmarum, zum Beginn der Kar-Woche

Friede sei mit euch, im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen


Der Wochenspruch über dieser neuen Woche heißt:

„Der Menschensohn muss erhöht werden, auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.“ Johannes-Evangelium Kap. 3, Verse 14/15


Es gibt Zeiten in unserem Leben als einzelne Personen und als Gesellschaft, in denen wir nicht erkennen können, was sie bedeuten und wohin sie uns führen.

So war das auch für die Menschen damals, zur Zeit Jesu.

Als Jesus damals auf einem Esel in Jerusalem einritt (Johannes-Evangelium, Kap. 12, Verse 12-19), wurde er von den Menschenmassen jubelnd als König begrüßt. Wenig später schlug der Jubel um in die wütenden Rufe: „Kreuzige ihn!“

Das sind Grenzmoment, unsicher und vage. Das steht etwas auf dem Spiel, wir können es aber noch nicht erfassen. Erst im Nachhinein können wir verstehen.


Wir beten mit Worten aus Psalm 69. :

Es könnten die Worte Jesu sein auf seinem Leidensweg oder auch unsere in dieser belastenden Situation:


Gott, hilf mir! 

Denn das Wasser geht mir bis an die Kehle. 

Ich versinke in tiefem Schlamm, wo kein Grund ist; ich bin in tiefe Wasser geraten, und die Flut will mich ersäufen. 

Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser. 

Meine Augen sind trübe geworden, 

weil ich so lange harren muss auf meinen Gott. 

Ich aber bete, HERR, zu dir zur Zeit der Gnade; 

Gott, nach deiner großen Güte erhöre mich mit deiner treuen Hilfe.  

Errette mich aus dem Schlamm, dass ich nicht versinke.

Erhöre mich, Gott, denn deine Güte ist tröstlich;

Wende dich doch zu mir nach deiner großen Barmherzigkeit.

Gott, deine Hilfe schütze mich! Amen

 


Das Evangelium für diesen Sonntag erzählt von der Begegnung Jesu mit einer Frau, die ein überaus kostbares Öl über Jesus ausgießt und ihn salbt.

Die Umstehenden beschwerten sich bei Jesus über diesen Unsinn, diese Verschwendung. Das Öl hätte man für viel Geld verkaufen können um es den Armen zu geben, sagen sie.

Jesus nimmt die Frau in Schutz. 

Sie hatte etwas verstanden, was die anderen noch nicht begriffen hatten. 

Sie ahnte, auf welchem Weg Jesus war und hat ihm diesen Liebesdienst erwiesen, ohne zu überlegen und ohne zu rechnen. Sie ahnte und spürte, dass Gott ihm, dem Verachteten und Angefeindeten und Todgeweihtem ganz nah war.

Ein besonderer Moment. Ein Grenzmoment. 

Können wir uns Moment/Situationen  vorstellen, in denen wir alles auf eine Karte setzen?

Der Weg Jesu ins Dunkel wurde im Nachhinein für uns alle zu einem Weg ins Licht. Heute bekennen wir das.  Er hat uns gezeigt, dass das Dunkel und das Leiden, dass die Angst und die Unsicherheit nicht ohne Gott sind und dass wir sie überwinden können, nicht in dem wir uns verbittert und enttäuscht zurückziehen, sondern indem wir festhalten an der Fülle des Lebens, indem wir uns offen halten für all das, was uns begegnet und dabei Gott in unserer Nähe wissen.


Lasst uns verbunden bleiben im Gebet für die Menschen dieser Welt...

 


Gottes Segen begleite euch in dieser besonderen Zeit,

er lasse euch die Fülle des Lebens entdecken, auch in schweren Zeiten.

Er schenke euch offene Ohren für die Botschaft der Liebe. Amen

Texte für den Sonntag Judika in der 5. Woche der Passionszeit

Friede sei mit euch, von Gott dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist. Amen


Über dieser Woche steht ein Wort aus dem Matthäus-Evangelium:

„Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben zur Erlösung für die Vielen.“ Mt 20.28


Die Texte dieses Sonntags erzählen uns von Recht haben wollen und nicht Recht bekommen; sie erzählen von Hingabe trotz alledem, des sich vertrauensvoll Überlassens an das Leben, an Gott. Und sie erzählen von Gehorsam, den wir lernen durch das, was wir erdulden und erleiden.

Dieser Sonntag zeigt uns einen Gott, der uns fremd ist und doch nah sein will. 


Wir beten mit Worten aus Psalm 43:


1 Schaffe mir Recht, Gott, 

und führe meine Sache wider das treulose Volk und errette mich von den falschen und bösen Leuten! 

2 Denn du bist der Gott meiner Stärke: Warum hast du mich verstoßen? 

Warum muss ich so traurig gehen, wenn mein Feind mich drängt? 

3 Sende dein Licht und deine Wahrheit, dass sie mich leiten und bringen zu deinem heiligen Berg und zu deiner Wohnung, 

4 dass ich hineingehe zum Altar Gottes, 

zu dem Gott, der meine Freude und Wonne ist, 

und dir, Gott, auf der Harfe danke, mein Gott. 

5 Was betrübst du dich, meine Seele, und bist so unruhig in mir? 

Harre auf Gott; denn ich werde ihm noch danken, dass er meines Angesichts Hilfe und mein Gott ist. Amen

 

 


„Wer nicht hören will, muss fühlen.“

Diese Worte habe ich als Kind oft gehört, wenn ich meine eigenen Wege gehen wollte, wenn ich Recht behalten wollte und den Eltern den Gehorsam verweigert habe und dann „Schiffbruch“ erlitt und erkennen musste, dass es so nicht ging, wie ich mir das vorgestellt hatte.

Lernt man so Gehorsam? Oder besteht eher die Gefahr zu verbittern, sich abzuwenden?


Im Hebräerbrief heißt es in Kapitel 5,in den Versen 7-8:

„In den Tagen seines irdischen Lebens hat Jesus seine Gebete und sein Flehen vor Gott gebracht. Mit lautem Rufen und unter Tränen brachte er sie vor Gott.

Denn Er konnte ihn aus dem Tod retten. Und aufgrund seiner Ehrfurcht vor Gott ist er erhört worden.

Obwohl er der Sohn war, musste er durch das, was er gelitten hat, Gehorsam lernen.“


Das Wort Gehorsam liebe ich nicht sehr. Ich habe zu viel blinden Gehorsam erlebt.

Ich bekomme einen Zugang zu dem Wort, wenn ich es mit Vertrauen in Verbindung bringe. Nur wem ich vertrauen kann, dem bringe ich auch Gehorsam entgegen.

Jesus hat Gott vertraut, auch in seiner schwersten Zeit. In allem, was er durchlitten hat, wusste er Gott an seiner Seite. Das hat er niemals in Frage gestellt. Er  hat trotz Allem mit Hingabe Gottes Liebe zu den Menschen gelebt. 

Also auch der, der gehorsam ist wie Jesus, bekommt die Härte des Lebens zu spüren. Wie gehen wir damit um? 

Mit seinem Leben, mit seiner Treue zu Gott hat Jesus uns diesen Weg aufgezeigt, 

einen Weg, der Gottes Mitfühlen mit uns nicht in Frage stellt, der an seiner Liebe zu uns keinen Zweifel lässt. Das verlangt viel von uns, das macht uns aber auch frei  von allem Zaudern und Zagen und Wenn und Aber.


Wir durchleben schwere Zeiten, als Gesellschaft, als Einzelne. Sollten wir darum aufhören, Gott auf unserer Seite zu wissen? Sollten wir darum alles, was wir von ihm wissen und erhoffen in Frage stellen?

Oder können wir versuchen das zu leben, was wir von Jesus gelernt haben und einander als Menschen wahrnehmen, die Liebe leben, den Respekt, – auch wenn wir durch ein tiefes Tal gehen, auch wenn uns das nichts einbringt, auch wenn es so aussieht, als würden wir damit nicht Recht behalten?

Das sind Schritte des Vertrauens ohne Netz und doppelten Boden...

Dorothee Sölle formuliert das so:

„Jeder von uns kämpft mit Gott, lass uns dazu stehen, auch wenn wir geschlagen werden und verrenkt.

Jeder von uns kämpft um Gott, der darauf wartet, gebraucht zu werden.“

 


Wir  vertrauen uns Gott an mit unseren Zweifeln, Fragen, Sehnsüchten...

Und beten mit Jesu Worten: Vater unser...


Gottes Segen begleite euch in dieser außergewöhnlichen Zeit.

Er stärke euch und ermutige euch bei ihm zu bleiben

und dem Leben mit Liebe zu begegnen. Amen